Veranstaltungsdaten
Die große Reihe #5 - Tempo, Tempo!
Einführung ins Programm um 18:30 Uhr
Der Einzelkartenvorverkauf beginnt am 1. Juli.
J. STRAUSS
Vergnügungszug
RACHMANINOFF
Klavierkonzert Nr. 3
LIGETI
Poème symphonique für 100 Metronome
BEETHOVEN
Sinfonie Nr. 8
- Nuron Mukumi Klavier
Stuttgarter Philharmoniker
Dirigent Christoph Koncz
Für den Ball der Industriellen Gesellschaften in der Wiener Hofburg im Januar 1864 komponierte Johann Strauß seine Vergnügungszug-Polka op. 281. Die boomenden Eisenbahnunternehmen der Zeit waren ein wichtiger Teil der Industriellen Gesellschaften.
Sergej Rachmaninoff bereitete sich 1909 in Russland intensiv auf seine erste Konzertreise in die USA vor und schrieb sein drittes Klavierkonzert, das zu seinen populärsten Stücken gehört. Im Januar 1910 spielte er es in New York unter Leitung von Gustav Mahler. Angeblich ist es unter den großen Klavierkonzerten dasjenige mit den meisten Klaviernoten pro Sekunde. Jahre später, 1922/23, für eine Konzertreise durch die USA und Kanada hatte Rachmaninoff einen eigenen Zug gebucht. Neben Schlafwagen, Badezimmerabteil und Aussichtswaggon gab es ein Klavier, auf dem er üben konnte, sooft er wollte.
Unter derart luxuriösen Umständen fand György Ligetis wohl wichtigste Zugreise nicht statt, ganz im Gegenteil: Im Dezember 1956, nach der blutigen Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes, floh Ligeti mit seiner Frau Richtung Österreich. Er versteckte sich in einem Postwaggon, der Richtung Westen unterwegs war, unter den Briefsäcken und watete schließlich durch die Sümpfe im Niemandsland über die Grenze. „Die Idee einer mechanisch tickenden Musik verfolgt mich seit meiner Kindheit; sie verbindet sich mit Phantasien eines klingenden Labyrinths und mit jenen ins Unendliche multiplizierten Bildern, die entstehen, wenn man sich in zwei einander gegenüberstehenden Spiegeln betrachtet. […] Der Happeningcharakter ist freilich nur ein Aspekt des Stückes. Mir schwebten zahlreiche sich überlagernde Gitter vor, Moiré-Gebilde, die dann wechselnde rhythmische Strukturen ergeben würden. […]“
Ludwig van Beethovens Sekretär Anton Felix Schindler behauptete viele Jahre nach der Uraufführung von dessen 8. Sinfonie 1814, der Komponist habe in deren zweitem Satz, Allegretto scherzando, mit seinem gleichmäßig tickenden Rhythmus dem mit ihm befreundeten Erfinder des Metronoms Johann Nepomuk Mälzel ein klingendes Denkmal setzen wollen.




