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ROSSINI
Petite Messe Solennelle

Die letzten Jahre seines Lebens widmete Gioachino Rossini (1792 – 1868) einem Werk, in dem er noch einmal sein ganzes Können demonstriert: der „Petite Messe Solennelle“. Sein schier unerschöpflicher Melodienreichtum wird darin verknüpft mit einer Beherrschung des kirchenmusikalischen Stils, der an große Vorgänger erinnert. Nicht von ungefähr hatte Rossini seit 1851 die Gesamtausgabe der Werke Johann Sebastian Bachs subskribiert.

Auf dem Titelblatt seines handschriftlichen Exemplars der „Petite Messe“ erklärt Rossini auf merkwürdige Weise die benötigte Sängeranzahl: „[…] acht für den Chor, vier für die Soli, insgesamt also 12 Cherubine. Lieber Gott, verzeih mir die folgende Gedankenverbindung: 12 an der Zahl sind auch die Apostel in der berühmten ‚Freßszene‘, gemalt im Fresco von Leonardo, welches man ‚Das letzte Abendmahl‘ nennt.“

Dass Rossini bei der Eucharistie, dem Kern jeder Messfeier, mit geradezu barockem Humor an einen Akt der Schlemmerei denkt, kommt nicht von ungefähr, hatte er sich doch ab 1829, nach der letzten von ihm komponierten Oper („Guillaume Tell“), ganz der Kochkunst zugewandt. Eine Geschlechtskrankheit hatte ihn gezwungen, das Opernhandwerk aufzugeben und statt den zarten Füßchen der Damen, denen er bis dato sehr gehuldigt hatte, sich anderen fleischlichen Genüssen hinzugeben. Zampone di Modena (gefüllte Schweinefüße), die er aus Italien nach Paris schicken ließ, nahmen ihn fortan gefangen. Der Himmel auf Erden, das war für den Genussmenschen Rossini offenbar das Schlaraffenland.

 

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https://www.stuttgarter-philharmoniker.de/2944 | Ausdruck vom: 05.06.2020 17:17

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