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Abonnement Sextett// Rückschau Saison 2013/14

Ein ganzer Berg voll aufgezeichneter Musik wartet im Notenarchiv der Stuttgarter Philharmoniker darauf, gespielt zu werden. Was uns dazu treibt, die sechs Programme unseres Abonnements Sextett den Alpen zu widmen, ist aber viel mehr. Seit die Philosophen des 18. Jahrhunderts das Erhabene als wichtigen Gegenstand der Künste entdeckten, gelten die Alpen als Musterbeispiel des Erhabenen in der Natur. „Kühne überhängende gleichsam drohende Felsen, am Himmel sich auftürmende Donnerwolken, mit Blitzen und Krachen einherziehend, […] ein hoher Wasserfall […] und dergleichen machen unser Vermögen zu widerstehen, in Vergleichung mit ihrer Macht, zur unbedeutenden Kleinigkeit. Aber ihr Anblick wird nur um desto anziehender, je furchtbarer er ist, wenn wir uns nur in Sicherheit befinden; und wir nennen diese Gegenstände gern erhaben, weil sie die Seelenstärke über ihr gewöhnliches Mittelmaß erhöhen…“ (Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft § 28). Nicht nur für den Tourismus hat die neue Sicht auf das Gebirge bis heute andauernde Folgen. Die eigentümliche Mischung aus Furcht und Anziehung angesichts der Berge haben auch Künstler aller Sparten auf ihre Werke zu übertragen versucht. Gewaltige Spuren hat das Gebirge in der romantischen Orchestermusik hinterlassen. Schließlich geht es gerade in den großen Sinfonien, so haben es die Musikschriftsteller mindestens seit Kants Zeiten gesehen, immer wieder um das Erhabene. Nicht selten findet man daher Vergleiche zwischen sinfonischen Formen und Fels- oder Eisformationen in Konzertführern und Programmheften (so hat man beispielsweise eine Reihe von Orchesterwerken als „Gipfel der Sinfonik“ bezeichnet!). Kein Wunder, wenn manche Komponisten sich gleich direkt auf die Berge bezogen und Alpensinfonien und Alphornkonzerte erfanden. In der „Sicherheit“ des Beethoven-Saals der Liederhalle wollen wir sie zum Klingen bringen.

Natürlich, aus der weniger ästhetischen als lebenspraktischen Sicht ihrer Bewohner wirken die Alpenlandschaften ganz anders als auf Touristen, Bergsteiger, Philosophen und Künstler. Einer der ersten Besteiger des Mont Blanc begegnete, wie Kant berichtet, einem Bauern aus Savoyen, der „die Liebhaber der Eisgebirge ohne Bedenken Narren“ nannte. Dennoch haben auch die ständig in den Alpen Lebenden ihre eigenen Musikstile und Instrumente geschaffen und pflegen sie zum Teil bis heute. Nicht nur Alphorn und Blasorchester sind untrennbar mit dieser Gegend verbunden.

Das Schöne für uns ist, dass beide Perspektiven – die der Alpenbewunderer und die der Alpenbewohner – mit Musik verbunden sind. In den Programmen des Abonnements Sextett kommen sie zu Gehör.

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https://www.stuttgarter-philharmoniker.de/867 | Ausdruck vom: 10.12.2019 21:13

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