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Abonnement Sextett// Rückschau Saison 2012/13

Da steht er, der „Engel in der Dorfstraße bei Mondschein“ in Beihingen (heute Ortsteil von Freiberg am Neckar) und klopft an einen Fensterladen. Was er dort will? Hermann Pleuer (geboren 1863 in Schwäbisch Gmünd, gestorben in Stuttgart 1911) hat ihn gemalt. Der schwäbische Impressionist ist heute vor allem als technikbegeisterter Maler der Industrialisierung und der Eisenbahn seiner Zeit bekannt. Zwischen 1894 und 1899 entstand eine Reihe von Mondscheinbildern, in denen Darstellungen übersinnlicher, geistiger Welten in die unwirklich nächtliche Atmosphäre des silbrigen Mondlichts gestellt sind. Pleuers Engel wird häufig als Schutzengel interpretiert, eine andere Quelle verbindet das Motiv mit einem alten Kinderlied: „Es geht durch alle Lande ein Engel still umher; kein Auge kann ihn sehen, doch alles siehet er.“

Wer hätte sich nie danach gesehnt, unsichtbar durch die Welt zu gehen? Wer noch nicht davon geträumt, einem Engel, einem geflügelten Wesen, gleich die Schwere zu überwinden und den Erdboden zu verlassen? Und wer wünschte nicht gelegentlich für sich und andere einen persönlichen Schutzengel, der uns, aus einer anderen Welt kommend, vor den Gefahren des realen Lebens bewahrt?

Heute macht es den Eindruck, als ob sich allein esoterische Außenseiterkreise mit Engeln befassten. In der Öffentlichkeit treten sie nicht mehr wie im gleichsam indirekten, die Flächen und Konturen der Dinge eher auflösenden als beleuchtenden Mondlicht einesHermann Pleuer ins Bild. Stattdessen lächeln uns vor allem in der Vorweihnachtszeit Fotomodelle mit angeklebten Flügeln von Plakatwänden entgegen, um Artikel großer Modefirmen zu bewerben.

Was haben Engel mit Musik zu tun? Gehen wir zu den Quellen: Engel zeigen sich an vielen Stellen der Bibel und des Koran in unterschiedlichsten Formen. Hier finden wir die bekannten Engels-„Gesänge“: Nach Christi Geburt „lobt“ die „Menge der himmlischen Heerscharen“ Gott, indem sie das „Gloria“ anstimmt, schon zu dessen Verkündigung stimmt der Erzengel Gabriel den „englischen Gruß“, das „Ave Maria“ an. Und beim Propheten Jesaja finden wir die Seraphim, die einander das „Sanctus“ zurufen. Loben, Grüßen, Rufen: Wirklich von Musik ist hier nicht die Rede.

Und doch gibt es eine alte Tradition, welche die Engel mit Musik verbindet:

Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Werk gewonnen;
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst genommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.

Eduard Mörike veröffentlichte diese Zeilen in seinen „Vermischten Gedichten“ und erklärte: „Altes Verslein, von einer ehrlichen Meisterhand auf den Kasten der Orgel in der Kirche zu Güglingen geschrieben, welche vor etwa 20 Jahren abbrannte.“ Seitdem geht das Gerücht um, diese Verse stammten von Martin Luther höchst persönlich. Wer sich auf die Spuren der Musik der Engel begibt, gerät sehr schnell auf unsichere Pfade wenig greifbarer Vermutungen und Mystifikationen. Daher hat man Musik und Engel schon lange miteinander in Verbindung gebracht. Eine davon geht auf die antike griechische Philosophie zurück, auf die Vorstellung, die Himmelskörper würden ständig von himmlischen Wesen in Bewegung gehalten. Und da sich die himmlischen Sphären in harmonischen Maßverhältnissen zueinander verhielten, ließen ihre Bewegung auch seit der Schöpfung eine ewige Musik ertönen.

Engel und Musik sind gleichermaßen unkörperlich und körperlich, unsichtbar und konkret, und vielleicht rührt daher ihrer beider große Anziehungskraft auf viele von uns.

Die himmlische Musik lässt sich zumindest mit irdischen Ohren nicht hören. Viele bekannte Komponisten aber ließen sich von den himmlischen Wesen, von Sehnsüchten nach Befreiung von der Erdenschwere, von Fantasien und Vorstellungen über mögliche Verbindungen zu einer anderen Welt für ihr Schaffen inspirieren. Eine Auswahl von Werken dieser Musik der Engel wollen wir Ihnen präsentieren.

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https://www.stuttgarter-philharmoniker.de/566 | Ausdruck vom: 18.11.2018 09:18

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