Aktuell // 05. März 2026

Opernfestspiele Heidenheim – Die 62. Saison steht bevor
„MachtMenschen!“ lautet das Motto der Opernfestspiele Heidenheim 2026 (OH!), die vom 6. Juni bis 26. Juli auf und rund um den Heidenheimer Schlossberg stattfinden. Im Zentrum des internationalen Klassik-Festivals stehen in diesem Jahr zwei Opern Giuseppe Verdis, die beide auf Dramen William Shakespeares – des „großen Sezierers menschlicher Machtmechanismen“, wie Marcus Bosch ihn nennt – basieren.Nach Meinung des Festspielintendanten hat es niemand verstanden, die psychologischen Abgründe der Figuren so in Klang zu fassen, wie Verdi. „Otello“ zeigt den tiefen Fall eines Statthalters, dessen Achillesferse die Liebe zu seiner Frau ist. „Manipulation, Angst und Misstrauen zerstören hier eine eigentlich große Persönlichkeit“, sagt Marcus Bosch. Für die Inszenierung der Oper konnte die italienische Regisseurin Rosetta Cucchi gewonnen werden, die zuletzt im Rittersaal auf Schloss Hellenstein unter freiem Himmel Puccinis „Madama Butterfly“ in Szene gesetzt hat. Sollte die Witterung der „Oper unter den Sternen“ im Wege stehen, dient das gleich nebenan gelegene Festspielhaus CCH als exquisite Ausweichspielstätte. Es spielt das Festspielorchester Stuttgarter Philharmoniker.
Aktuelle Themen in der Oper
Im Festspielhaus finden auch die beiden Vorstellungen von „Macbeth“ statt, der zweiten Verdi-Shakespeare-Oper des Festspielsommers. Hier ist die preisgekrönte Cappella Aquileia Opernorchester. Als Teil der Reihe des Orchesters der OH! mit den Frühwerken Verdis in chronologischer Reihenfolge steht die Oper in der selten zu hörenden Urfassung auf dem Programm. Wie schon bei „Alzira“ im Jahr 2024 führt Andreas Baesler Regie. „In ‚Macbeth‘ erleben wir den Weg eines Menschen, der aus Ehrgeiz und zugleich verblendeter Abhängigkeit als Tyrann endet – und letztlich an seiner pervertierten Macht scheitert“, führt Marcus Bosch aus, der beide Werke musikalisch leiten wird. „Beide Opern zeigen universelle Muster menschlichen Handelns. Wie entsteht Macht? Wie wird sie missbraucht? Wie zerbrechen Menschen daran? Und vor allem: Wie leicht lassen sich Gesellschaften durch Angst, Gerüchte und gezielte Manipulation lenken?“ Marcus Bosch identifiziert hier die aktuell wichtigen Themen: „Wir leben in einer Zeit globaler Spannungen, politischer Polarisierung und wachsender Unsicherheiten. Führungspersönlichkeiten stehen weltweit im Fokus – manche als Hoffnungsträger, andere als Projektionsflächen für Angst oder Misstrauen. Die Fragen, die Shakespeare stellt, sind dieselben geblieben: Was macht Macht mit dem Menschen? Und was macht der Mensch mit der Macht?“
Künstlerische Kooperation mit renommiertem Opernhaus
Auch in der Jungen Oper Heidenheim geht es 2026 um Macht – wenn auch nur um die Macht über das Wetter: Mit „Holle!“ kooperieren die Opernfestspiele erstmals mit der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg. Wie im Vorjahr wird die Junge Oper in der Black Box des Margarete-Hannsmann-Saales der Stadtbibliothek gezeigt.
Klassik-Stars an der Brenz
Auf dem Konzertpodium ist zur Eröffnung der Festspiele die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der Leitung ihres ehemaligen Chefdirigenten Pietari Inkinen zu Gast. Sie begleitet die Sopranistin Tuuli Takala bei ausgewählten Orchesterliedern von Sibelius, außerdem steht die 4. Sinfonie von Mahler auf dem Programm. Gleich am Beginn der Festspiele liegt in diesem Jahr auch die traditionelle Jazzgala, die 2026 die NDR Bigband gemeinsam mit dem Electro-Jazz-Quartett TOYTOY nach Heidenheim bringt. In der Pauluskirche präsentieren sich die Chöre VOKALWERK der OH! und die vocapella mit Rossinis intimer „Petite Messe solennelle“. Für das Galakonzert weichen die Opernfestspiele extra der Fußball-WM aus, um Sportfans nicht in die Zwickmühle zu bringen. Statt am Tag des Finales findet das Konzert bereits am Mittwoch, 15. Juli, statt. Die Cappella Aquileia – Orchester der OH! – spielt im Galakonzert Beethovens 6. Sinfonie und Péter Eötvös‘ „Speaking drums“. Solist ist der Weltklasse-Perkussionist Alexej Gerassimez. Traditionsgemäß enden die Festspiele mit der Last Night – aufgrund des Publikumszuspruchs sind es gleich derer zwei – bei der die Stuttgarter Philharmoniker sich ein weiteres Mal als Festspielorchester präsentieren. Unterstützt werden sie bei dem Programm rund um Gershwin, Ellington und Piazzolla vom Thilo Wolf Quartett.
Wachsende Herausforderungen
Trotz der Erfolge der vergangenen Jahre sieht Kulturamtsleiter Matthias Jochner weitreichende Herausforderungen für die Zukunft der Festspiele, denen sich jedoch auch viele andere Kulturinstitutionen und die freie Szene gegenüber sehen: Kostensteigerungen vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Technik sind zunehmend schwieriger zu bewältigen. Dabei hat der Heidenheimer Gemeinderat den Opernfestspielen erst kürzlich finanzielle Planungssicherheit bis 2030 verschafft. Auch der Vertrag mit Marcus Bosch als Festspielintendant wurde entsprechend verlängert. Das Land Baden-Württemberg wiederum verdoppelte im Jahr 2025 schlicht seinen Zuschuss. „Die Opernfestspiele Heidenheim spielen seit Jahren höchst verlässlich auf internationaler Bühne. Mit den großen Erfolgen und Preisen der vergangenen Saison ist die Aufmerksamkeit nochmals substanziell gewachsen. Im Zentrum letztes Jahr das Wagnis des Doppelabends ‚Gianni Schicchi‘ und ‚Elektra‘ – ein Geniestreich des Festspielintendanten. Kunst und ihre spezifische Qualität in Heidenheim werden weithin wahrgenommen – und sie werden die Festspiele weiter beflügeln. Und sie werden letztlich tragen auch im Blick auf die große Herausforderung Kostensteigerung, mit der die Kultur- und ganz besonders auch die Festivalszene umgehen muss“, fasst Matthias Jochner zusammen. Gleichzeitig betont er das massive bürgerliche Engagement und insbesondere die herausragende Unterstützung durch die Gönnerclubs der OH! sowie das anhaltend wachsende Sponsoring, das die Arbeit der Festspielmacher erst ermöglicht.
Enge Partnerschaft mit dem Orchester der Landeshauptstadt
Von ebenso großer Bedeutung sind auch die künstlerischen Partnerschaften, die die OH! in den vergangenen Jahren eingegangen sind. So sind etwa die Stuttgarter Philharmoniker seit 2013 als Festspielorchester verlässliche Partner aus der Landeshauptstadt. Unter der musikalischen Leitung von Festspielintendant Marcus Bosch wird das Orchester der Landeshauptstadt jeden Sommer zu „Heidenheimer Philharmonikern“: „Ein renommiertes Konzertorchester verwandelt sich in ein veritables Opernorchester, das inzwischen viele große Musiktheaterwerke im Rittersaal des Schlosses Hellenstein und im Festspielhaus CCH begleitet und gemeinsam erfolgreich realisiert hat. Ein besonderes Highlight war ohne Zweifel die vielfach gelobte Aufführung der extrem anspruchsvollen ‚Elektra‘ von Richard Strauss 2025 – zusammen mit Puccinis ‚Gianni Schicchi‘“, erinnert sich Christian Lorenz, Intendant des Orchesters. „Die Stuttgarter Philharmoniker verstehen sich jedes Jahr aufs Neue als integraler Bestandteil der Festspiele und erfüllen damit einen wichtigen Auftrag des Landes Baden-Württemberg, nämlich in den wichtigen Musikstätten des Landes außerhalb der Hauptstadt Präsenz zu zeigen. Wir freuen uns über die Fortschreibung des Vertrags über die Zusammenarbeit zwischen dem Orchester und den Opernfestspielen bis 2030 und sind bereit für weitere musiktheatralische Abenteuer!“
OH! vermehrt im Rundfunk präsent
Im Bereich der Medien arbeiten vor allem die Heidenheimer Zeitung, Deutschlandradio Kultur und der Südwestrundfunk, der im Jahr 2025 eine Dokumentation über die OH! gefilmt hat, mit den Festspielen zusammen. Bernd Künzig, verantwortlicher Redakteur für Sinfonie und Oper, erläutert: „Der SWR kooperiert seit einigen Jahren mit den Opernfestspielen in Heidenheim und übernimmt dabei die Aufzeichnungen insbesondere der Reihe mit den frühen Opern Giuseppe Verdis. In diesem Jahr wird das die bislang nur wenig aufgezeichnete Erstfassung des ‚Macbeth‘ sein. Darüber hinaus übernimmt der SWR die Produktion von Franz Schuberts ‚Die Zauberharfe‘. Sie wird am 4. Oktober im Programm von SWR Kultur zu hören sein.“ Das Melodram „Die Zauberharfe“ ist Teil eines Schubert-Projekts der Cappella Aquileia, das bis ins Jahr 2028 – dem 200. Todesjahr des Komponisten – reicht. Unter der Leitung von Marcus Bosch wird nicht nur das überaus selten gespielte Melodram aufgeführt und aufgezeichnet, sondern auch die frühen Ouvertüren Schuberts sowie vier eigens für die Cappella Aquileia orchestrierte Klaviersonaten. „Die Ausstrahlung von Verdis ‚Macbeth‘ ist im Rahmen des ARD Radiofestivals voraussichtlich Ende August in allen Programmen der ARD-Kulturwellen geplant und auch Deutschlandradio Kultur wird die Aufzeichnung etwas später senden. Für die nahe Zukunft ist geplant, dass SWR Kultur die Folgen der noch ausstehenden frühen Verdi-Opern weiterhin übernimmt und im Programm von SWR Kultur ausstrahlt“, ergänzt Bernd Künzig.
Hervorragende Auslastung erwartet
Der Vorverkauf für die Festspielsaison 2026 ist bereits im Sommer angelaufen, auch für die zahlreichen Rahmenveranstaltungen und Extras der OH! – von der Late Night bis zu den Jazzfrühstücken – sind seit November Tickets im Verkauf. Bereits zwei Drittel der Plätze sind verkauft, damit schließen die OH! an die gute Entwicklung der Vorjahre an, in denen jeweils rund 18.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Opernfestspiele besucht haben. Karten für alle Veranstaltungen sind unter 07321/3277777, bei der Stadt-Information Heidenheim oder online unter opernfestspiele.de erhältlich.


