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Veranstaltungsdaten

Abo SEXTETT – Langsam, langsam...

MENDELSSOHN
Meeresstille und glückliche Fahrt

SCHUMANN
Violinkonzert

BEETHOVEN
Sinfonie Nr. 8

ALLEGRETTO SCHERZANDO

Dass Goethes erstmals 1796 veröffentlichtes berühmtes Doppelgedicht „Meeres Stille“ und „Glückliche Fahrt“ Komponisten inspiriert hat, liegt auf der Hand. Zu reizvoll ist der geschilderte Gegensatz zwischen einer Flaute auf See, die dem Schiffer das Fortkommen unmöglich macht, und dem Aufkommen der Winde, die wieder die Segel für eine erfolgreiche Reise füllen. Goethe schildert diesen Gegensatz in unterschiedliche Metren, unterschiedlichen sprachlichen Rhythmen.

In Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre stehen Stillstand und Bewegung einander geradezu plastisch gegenüber: Man meint im anfänglichen „Adagio“ die spiegelglatte Wasserflache, die Bewegungslosigkeit des Schiffes zu hören und im „Molto Allegro vivace“ („sehr lebhaftes Allegro“) die aufkommende Brise, das Kräuseln der Wellen, die beginnende Fahrt, die mit Trompetensignalen glücklich im Hafen endet, wahrzunehmen.

„Du weißt, wie wenig ich die Streite über Temponahme leiden mag, und wie für mich das innere Maß der Bewegung allein unterscheidet“, schrieb Robert Schumann einst und betonte damit die Subjektivitat des Interpreten. In jungen Jahren liebte er paradoxe Beschleunigungen wie „So rasch wie möglich – Schneller – Noch schneller“. In seinem letzten Orchesterwerk, dem Violinkonzert, scheint der jugendliche Geschwindigkeistrausch dem Gegenteil gewichen: „In kräftigem, nicht zu schnellen Tempo“, „Langsam“ und „Lebhaft, doch nicht zu schnell“ lauten die Satzüberschriften, doch viele Interpretationen des Stücks hören sich an, als hatten die Ausführenden eine regelrechte Scheu vor derart gedrosselten Tempi.

Gelegentlich ist die Rede von falsch gehenden Metronomen, wenn Interpreten der Absicht von Komponisten nicht folgen wollen. Das gilt insbesondere auch für Ludwig van Beethoven, dessen Tempi oft als sehr schnell, gelegentlich aber auch als ungewöhnlich langsam bestaunt werden. Dabei kannte Beethoven den Erfinder der „Tempomessmaschine“ Metronom, den Mechaniker Johann Nepomuk Malzel (1772–1838), persönlich, der für ihn auch mehrere Hörrohre baute. Beethovens Sekretär Anton Schindler war es wohl, der aus dem Thema des langsamen Satzes der 8. Sinfonie, „Allegretto scherzando“, einen Scherzkanon auf Mälzel machte. „Allegretto scherzando“ ist übrigens kaum wörtlich zu übersetzen. Es bezeichnet ein Tempo, deutlich langsamer als „Allegro“, das hier als „scherzhaft“ charakterisiert ist.

 

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