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Die Große Reihe// Rückschau Saison 2015/16

Als der Bonner Bürgermeister vor einigen Jahren die Stadt Königsberg besuchte, brachte er ein eigenartiges Gastgeschenk mit: Eine in den Farben Deutschlands und Russlands bemalte Beethoven-Statue. „Nun hat also auch Russland seine Beethovenstadt“, kommentierte der Königsberger Express. Doch bei allem Respekt: Die russische Beethovenstadt ist denn doch – und das seit wesentlich längerer Zeit – Sankt Petersburg. Aber was haben Beethoven und die Russen eigentlich miteinander zu tun? Geht man dieser Frage nach, gibt es einiges zu entdecken: Beziehungen, Bewunderung, Verwunderliches. In einem grundlegenden Aufsatz in der Zeitschrift „Osteuropa“ stellte der Autor Robert Engel schon in den 1920er Jahren fest: „Die Beziehung Beethovens zu Russland und dieses Landes zum Schöpfer unsterblicher Tonwerke sind in ihrer Gesamtheit viel tiefer, als das gewöhnlich angenommen wird“.

Im Wien der Beethovenzeit war es ein Russe, der den jungen Beethoven förderte, der Fürst Rasumowsky, verewigt als Namensgeber der ihm gewidmeten Streichquartette und Widmungsträger der fünften und sechsten Sinfonie. Es gab weitere russische Mäzene in der österreichischen Hauptstadt, Adlige, Diplomaten und illustre Gäste. Der Komponist profitierte verschiedentlich, erhielt Geld oder auch einen Ring und manche der russischen Besucher bezahlten sogar ihre Konzertkarten. Wichtiger und bezeichnend für das international vernetzte Musikleben der Zeit sind jedoch andere Beziehungen, die Beethovens Musik schon früh in Russland verwurzelten. Schon ab 1810 führte man seine Musik regelmäßig dort auf. Freunde Beethovens, teils selbst Komponisten wie Louis Spohr, gingen für längere Zeit nach Russland; ein Petersburger Musikalienhändler verbreitete das Notenmaterial im Lande, und der Fürst Golizyn ermöglichte die erste vollständige Aufführung der Missa solemnis. „Tiefste Ehrfurcht“ sei die typische russische Einstellung zu Beethoven, schrieb seinerzeit Robert Engel: „Für den Russen ist Beethoven ein musikalisches Heiligtum, eine Erscheinung aus dem Reich der Töne, wie es keine zweite mehr gibt“.

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