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Die Große Reihe (9) – Mythos 9

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
mit dem Schlusschor „An die Freude“ nach Friedrich Schiller

Es wird (nichts) zurückgenommen: Beethoven.

Es ist so eine Sache mit Beethovens „Neunter“, mit der „Neunten“. Man kann sie als Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung betrachten: Von der mozartischen ersten Sinfonie über die „Eroica“, die für ihren Weg durch Nacht zum Licht auch schon fast eine Stunde benötigte, über Schicksal, Landlust und Tanz hin zur ultimativen Übersteigerung der scheinbar ausgereizten Gattung durch die Integration des gewichtigen, chorischen Wortes. So stand sie nun da, die „Neunte“, und wurde fortlaufend missverstanden. Und es gibt nicht wenige Menschen, die den mal naiven, mal zynischen Gebrauch dieser Sinfonie im Musikbetrieb gegen das Werk selbst ins Feld geführt haben: Beethoven macht sich mit der „Neunten“ bis heute nicht nur Freunde.


Und doch: Wagner hatte schon recht, als er das Werk eine „Revolutionssinfonie“ nannte. Das erschließt sich aber erst, wenn man das durchaus nicht nur jubelnde Finale als Spiegel und dialektische Vollendung der vorhergegangenen Instrumentalsätze nimmt. Der Dirigent Michael Gielen schrieb: „Die Erledigung vergangener Inhalte ist wohl Vorbedingung jeder Entwicklung, auch der der Psyche. Es ist die Verinnerlichung des Gedankens der Revolution". Die vermeintlich eindimensionale „Neunte“ – sie entpuppt sich als kämpferischer Dialog.

In seinem „Doktor Faustus“ lässt Thomas Mann einen Dialog sich entwickeln und in einer Sackgasse enden. „Ich habe gefunden, es soll nicht sein.“ „Was soll nicht sein?“ „Das Gute und Edle, was man das Menschliche nennt, obwohl es gut und edel ist. Um was die Menschen gekämpft, wofür sie Zwingburgen gestürmt, und was die Erfüllten jubelnd verkündigt haben, das soll nicht sein, es wird zurückgenommen.“ „Ich verstehe dich nicht ganz. Was willst du zurücknehmen?“ „Die 9. Sinfonie.“
Trotz allem – gut, dass das nicht funktioniert hat.

 

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