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Veranstaltungsdaten
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Die Große Reihe (7) – Mythos 9

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 9 C-Dur

Béla Bartók
Violinkonzert Nr. 2

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 99 Es-Dur

Franz Liszt
Ungarische Rhapsodie Nr. 2 für Orchester bearbeitet von Franz Schreker

Mal nicht irre und gequält: Haydn.

Nach so viel Mythos ein Wort- und Zahlenspiel, aus dem Munde des Menschen namens Leipholz: „Brahms ja nur vier Sinfonien, wie komisch. Beethoven: neun. Bruckner: neun. Haydn: sogar 150. (‚Ob der die wohl alle auseinanderhalten konnte?‘)“. Ob man die Nummer 9 und die Nummer 99 auseinanderhalten kann? 1762 entstand die eine, mehr als drei Jahrzehnte später die andere. Streng chronologisch übrigens wäre die „Neunte“ die Nummer 23, die „Neunundneunzigste“ die Nummer 101. Die Werke unterscheiden sich schon wegen der unterschiedlichen biografischen Verankerung ganz grundsätzlich. Das frühe Werk entstand in den ersten Jahren des Kapellmeister-Engagements beim Fürsten Esterházy, das späte ist eine der „Londoner Sinfonien“, die Haydn als umjubelter Gaststar in der britischen Hauptstadt komponierte – selbstständig, freischaffend, unabhängig. Ein Viertelstündchen dreisätzige, gute Unterhaltung bringt die eine, doppelt so viel Zeit braucht die andere für ihre vier Sätze. Folgt man der Musikwissenschaftlerin Sonja Gerlach, die die Sinfonien Haydns in drei Schaffensphasen einteilte, so gehört die Nr. 9 zur frühen Phase mit insgesamt 64, die Nr. 99 zur letzten Phase mit zwölf (Londoner) Sinfonien. „Papa“ Haydn war schlicht und einfach ruhiger geworden, aber die sparsamer dosierten Sinfonien ganz und gar nicht: Sie wurden wilder, fortschrittlicher.

150 Sinfonien schaffte Haydn übrigens doch nicht, aber auch die 107, die er vollständig komponierte – je nach Tempo rund 45 Stunden Musik – sind nicht von schlechten Eltern. Kein „Mythos Neun“ also jenseits des Spiels mit der Ziffer? Wohl nicht. Aber Joseph Haydn war ja auch auf Schloss Esterházy, wie er selbst sagte, „von der Welt abgesondert. Niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden.“

 

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http://www.stuttgarter-philharmoniker.de/965 | Ausdruck vom: 27.06.2017 05:37

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