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Veranstaltungsdaten
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Die Große Reihe (5) – Mythos 9

Johannes Brahms
Violinkonzert D-Dur op. 77

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 9 d-Moll

 

 

Dem lieben Gott gewidmet: Bruckner.

Anton Bruckners Neunte, 1887 begonnen, dem lieben Gott gewidmet, unvollendet – hier zeigt der „Mythos Neun“ ein anderes Gesicht. Und (natürlich) ein vieldeutiges: Bruckner kam über eine Neunte nicht hinaus, aber er wurde mit dieser nicht fertig, der Schlusssatz fehlt. Zum Mythos der neunten und letzten Sinfonie tritt also der Mythos des Fragments, der zu weiterer Spekulation einlädt: Wollte der Komponist das Werk womöglich nicht vollenden, konnte er nicht – und warum? Allerdings kann man der Spekulation rund um Bruckners Neunte auch ganz nüchtern entgegentreten: Es gibt zwei frühe Sinfonien, die der Komponist nicht mitzählte bzw. nicht veröffentlichen ließ, womit die Neunte eigentlich auf Platz zehn oder gar elf vorrückt. Und es gibt das Problem der Fassungen einiger Sinfonien, die Bruckner nur selten aus eigenem Willen erstellte. Um es mit dem „Menschen namens Leipholz“ in den Worten Walter Kempowskis zu sagen: „Wenn sie Bruckner nicht dauernd gedrängt hätten, alles nochmal umzuschreiben, dann hätte der bestimmt auch zehn oder sogar zwölf geschafft.“

Doch wie bei Schubert, Schostakowitsch und Dvoøák gilt: Auch diese neunte Sinfonie ist ein außerordentliches Werk. Und wie Mahler trieb der häufig unterschätzte Bruckner seine Musik an die Grenzen der Tonalität und ebnete die Pfade zu dem, was man später „Neue Musik“ nennen sollte. Und er vollzog den der romantischen Sinfonik häufig einkomponierten Weg durch die Nacht zum Licht nach, den er als tief gläubiger Mensch im christlichen Sinne, weniger als Dokument eines kraftvollen Heldentums gestaltete. Der dritte Satz, den Bruckner noch vollendete, schließt nach einem schmerzhaften orchestralen Aufschrei mit den in friedvolle Höhen aufsteigenden Violinen. Fragment oder doch Vollendung, das ist die Frage, die der „Mythos Neun“ hier aufwirft.

 

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