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Veranstaltungsdaten
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Enthüllungen (1)

Berlioz
Les nuits d´été
Symphonie fantastique

Wahnsinn: Berlioz im Enthüllungsrausch!

1827 erwischt es den jungen Hector Berlioz wie ein plötzliches Fieber: In einem Pariser Theater erlebt er Shakespeares „Hamlet“ mit der Schauspielerin Harriet Smithson als Ophelia. Er verfällt der jungen Dame hemmungslos. Als noch erfolgloser Komponist sieht er keine Chance, ihr näher zu kommen. Dieses „größte Drama seines Lebens“, so Berlioz, verarbeitet er in der „Symphonie fantastique“. Als Zuhörer sind wir dabei, wie der Künstler der Geliebten auf einem Ball begegnet, wie ihm Zweifel an ihrer Treue kommen, wie er nach erfolglosem Werben Opium nimmt und träumt, er werde nach der Ermordung der Geliebten hingerichtet.

Zwischen 1848 und 1854 schreibt Berlioz erstaunliche Memoiren, in denen er  – nach der musikalischen Beichte seiner Symphonie - ein weiteres Mal seine Liebesgeschichte enthüllt. Dort erfahren wir, wie es mit ihm weitergeht: dass Berlioz wenige Jahre später Harriet wieder sieht, dass sie gegen den Willen seiner Eltern heiraten, dass die Ehe schließlich zerbricht und Harriet nach langer Krankheit stirbt.

In seinem Enthüllungsrausch macht Berlioz nicht einmal halt vor dem „letzten Hemd“ seiner großen Liebe. 1864 muss der Sarg Harriets wegen der Auflösung des kleinen Friedhofs von Saint-Vincent umgebettet werden. Im Nachwort seiner Erinnerungen kostet Berlioz als Zeuge des Geschehens die Szene aus. Wir müssen mit ansehen, wie der Totengräber den morschen Sargdeckel zerlegt, um die verbliebenen Reste herauszuheben: „Der Totengräber […] packte mit beiden Händen den schon vom Rumpf gelösten Kopf, den fleischlosen Schädel ohne Kranz und ohne Haar, o weh! der poor Ophelia und legte ihn in einen ad hoc vorbereiteten Sarg am Rande der Grube. Dann bückte er sich ein zweites Mal, nahm den kopflosen Rumpf mit den Gliedern in seine Arme, eine schwärzliche Masse, auf der noch das Leichentuch klebte […].“     

 

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