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Einblick// DAN ETTINGER UND DER RÜCKEN

Für die Stuttgarter Philharmoniker, die sich mit einer überwältigenden Mehrheit für Dan Ettinger als ihren neuen Chefdirigenten ausgesprochen haben, dürfte in der Tat die Vorderseite ausschlaggebend gewesen sein. Als er zum ersten Mal vor ihnen steht, um ein Konzertprogramm ‚zum Kennenlernen‘ zu proben, geht alles ganz schnell: Ohne viel Worte zu gebrauchen, verändert Dan Ettinger den Klang des Orchesters beinahe magisch. Es sind vor allem seine Blicke und Bewegungen, welche den Musikerinnen und Musikern zeigen, wo es mit der Musik langgehen soll.

Diese seltene innere Harmonie zwischen einem Orchester und seinem Dirigenten lässt sich auch nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit mit beiden Seiten kaum erklären. Noch rätselhafter und geheimnisvoller ist aber die Ausstrahlung des Dirigenten auf das Publikum. Denn den Zuhörern im Konzertsaal weist der Dirigent, abgesehen davon, wenn er den Beifall entgegennimmt, ja stets seinen Rücken zu. Im Gegensatz zum Rücken eines Intendanten, der fest, beinahe steinern sein muss, hat es den Anschein, als ob der Rücken des Dirigenten transparent wäre. Durch ihn hindurch erleben wir, wie die Musik verläuft, wie das Kunstwerk vor unseren Augen und unseren Ohren entsteht. Sucht man nach Ursachen dieses Phänomens, gelangt man unweigerlich in die Welt ‚höherer Mächte‘.

Bei den Schamanen, den ältesten Magiern, hatte der Rücken bereits eine besondere Bedeutung. Man glaubte, dass der Schamane in die Unterwelt hinabsteige und die Toten auf seinen Rücken nehme, um so den Lebenden einen Kontakt zu ihren Ahnen zu verschaffen. Noch bis zum zweiten Vatikanischen Konzil haben die Priester der katholischen Kirche die Messe am Hochaltar mit dem Rücken zu den Gläubigen zelebriert und dabei den Eindruck vermittelt, dass sie mit dem Blick auf das Kreuz‚ von Angesicht zu Angesicht‘ also, die Frohe Botschaft empfingen, die durch sie gleichsam nach hinten weiter ströme. Der Rücken eines Dirigenten scheint dem verwandt zu sein. Wir Zuhörer erleben durch ihn hindurch, was die Musik uns sagt. Handelt es sich im Konzertsaal nicht auch um Botschaften, deren Autoren (von der Aufführung zeitgenössischer Werke einmal abgesehen) längst im Jenseits weilen? Wie ein Magier setzt uns der Dirigent mit diesen in Kontakt und entrückt uns in eine andere Welt.

Dieser Zauber kommt allerdings nicht von ungefähr, sondern setzt in hohem Maß handwerkliche Kenntnisse, Einfühlungsvermögen und große musikalische Erfahrung voraus. Dan Ettinger hat sich all dies in vielen Jahren erarbeitet – als Sänger (Bariton) und Pianist auf zahlreichen Bühnen, als Leiter von Chören und Orchestern schließlich rund um den Globus. Dahinter verbergen sich viele Stunden des Studiums von Partituren, von ‚dicken Büchern‘ mit schier zahllosen Noten, die beherrscht werden wollen.

Freuen Sie sich mit uns auf den Beginn einer neuen Ära, lassen Sie sich bezaubern durch Dan Ettinger und seine Konzerte mit den Stuttgarter Philharmonikern!
Michael Stille

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http://www.stuttgarter-philharmoniker.de/1550 | Ausdruck vom: 19.10.2017 16:39

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