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Veranstaltungsdaten
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Die Große Reihe (4) – Der Gott des Weines

Peter I. Tschaikowsky
Violinkonzert D-Dur op. 35

Dmitri Schostakowitsch
Suite aus „Lady Macbeth von Mzensk"
(bearbeitet von J. Conlon)

              Der Dornfelder. Der Rausch hat auch eine dunkle Seite.

              Dunkel funkelt der Dornfelder auch in Stuttgart. Ursprünglich sollte diese Rebe nur anderen Roten zu tieferer Farbe verhelfen, doch unversehens entwickelte sich der Gehilfe zum Star. Dass die tiefgründige Liebe auch dämonische Züge annehmen kann, ist ein Thema von Dmitri Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“. Die Titelheldin wird, angetrieben von der Sehnsucht nach wahrer Liebe, zur mehrfachen Mörderin, der emotionale Rausch endet im Freitod. Schostakowitsch ordnete die Geschichte in seine soziale Gegenwart ein: „Wären die Verhältnisse anders, wäre auch die Liebe eine andere“, sagte er. Das gefiel den Sowjetfunktionären ganz und gar nicht – an der Oper und ihrem Komponisten wurde ein geradezu rauschhafter Feldzug inszeniert, der Schostakowitsch um den guten Ruf und beinahe um den Verstand brachte. Der Komponist erholte sich, trotz Rehabilitierung und Erfolg, nie wieder davon. Schostakowitschs mehrdeutige Musik entfaltete in der kommunistischen Diktatur bestenfalls „undercover“ ihre Wirkung. Peter Tschaikowskys Violinkonzert hingegen ist ein Ausdruck von Lebensfreude. Eine überstürzte Ehe war beendet, ein geigender Geliebter gab Rat bei der Komposition, der Weg zur Meisterschaft war eingeschlagen. Das im Nu überaus populäre Violinkonzert konnte die Hörerschaft in vielen Ländern berauschen – aber bei den akademisch kritischen Geistern fiel es immer aufs Neue durch: Tschaikowskys Zeitgenosse Hanslick suggerierte, dass diese Musik „stinke“, und der geistesgroße Adorno rückte die Werke des Russen fast ein Jahrhundert später in die Nähe des kommerziellen Schlagers. So gesehen, hatte und hat also auch das Musikleben seine dunklen Seiten.

               

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