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Veranstaltungsdaten
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Die Große Reihe – Die Macht des Schicksals (9)

Giuseppe Verdi
Ouvertüre zur Oper
„Die Macht des Schicksals”

Béla Bartók
Klavierkonzert Nr. 2

Richard Strauss
Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28
nach alter Schelmenweise in Rondeau-
form für großes Orchester gesetzt

Ludwig van Beethoven
SinfonieNr. 5 c-Moll op. 67
„Schicksalssinfonie”

So pocht das Schicksal an die Pforte!

Die Herren Tschaikowsky, Mahler und Schostakowitsch mögen verzeihen – „die” Schicksalssinfonie hat wohl für alle Zeiten Ludwig van Beethoven geschaffen. Und wie so oft, geht diese Einschätzung wenn überhaupt, dann nur indirekt auf den Komponisten selbst zurück. Beethovens Sekretär Anton Schindler hat 1840 berichtet, dass das berühmte Anfangsmotiv für das Schicksal stünde, das an die Pforte klopft. Ob nun Schindler den Komponisten korrekt wiedergegeben hat oder nicht – Publikum und Wissenschaft griffen die Verbindung gerne auf. Aber auch ganz musikalisch betrachtet ist der Weg vom düsteren, pochenden c-Moll des Anfangs zum glanzvollen, sieghaften C-Dur des Finales eine atemberaubende Entwicklung. Es ist also kein Wunder, dass man nach außermusikalischen Deutungen des Werks suchte – zumal Beethovens Schicksal als Komponist ein wahrlich bitteres war. Das Gehörleiden deutete sich schon dem noch jungen Mann an, der 1801 sicher auch im Hinblick darauf ankündigte, er wolle „dem Schicksal in den Rachen greifen”, es werde ihn „gewiss nicht ganz niederbeugen”. Die fünfte Sinfonie wurde sieben Jahre später gemeinsam mit der Sechsten und dem vierten Klavierkonzert uraufgeführt – ein legendäres Konzert, das für die damaligen Zuhörer Zumutung und Offenbarung zugleich gewesen sein muss.

Etwa zur gleichen Zeit, als Schindler seine Beethoven-Biografie veröffentlichte, wurden die Buchstaben im Morse-Alphabet kodifiziert. Ob sich Samuel Morse, 1791 geboren, bewusst war, dass er die Zeichenfolge kurz-kurz-kurz-lang für den Buchstaben V der „Schicksalssinfonie” entlehnte? Die BBC jedenfalls nutzte die Anspielung und begann ihre Sendungen während des zweiten Weltkriegs mit dem berühmten Beethoven-Motiv, das sollte „Victory” bedeuten: Sieg. „Schon sinken die Fahnen des Feindes”, heißt es demgegenüber in Giuseppe Verdis Oper „Die Macht des Schicksals”, aber das Kriegsgetümmel ist dort nur effektvolle Kulisse für private Verstrickungen. Die feurige Ouvertüre setzt die Stimmung für das Werk – harte Schläge, bewegte Dramatik, die verwickelten Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

In seinen eigenen Stricken verwickelte sich gewissermaßen Till Eulenspiegel, der das Schicksal – oder doch nur seine Mitbürger? – herausforderte, bis er sich dem Strick am Galgen gegenübersah. In dieser sinfonischen Dichtung bot Richard Strauss alle Mittel musikalischen Humors, von Drastik bis Ironie, auf. Am Ende, vor Gericht, pfeift Till Eulenspiegel vor sich hin, aber zum Schluss ist er recht jämmerlich – Schicksal? An Franz Wüllner, den Dirigenten der Uraufführung 1895, der sich nach Details der musikalischen Geschichte erkundigte, schrieb Richard Strauss schelmisch: „Wollen wir diesmal die Leutchen selber die Nüsse aufknacken lassen, die der Schalk ihnen verabreicht?”

 

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