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  • Nicola Benedetti
Veranstaltungsdaten
// Rückschau

Die Große Reihe – Die Macht des Schicksals (7)

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 96 D-Dur „The Miracle”

Max Bruch
Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26

Sergej Prokofjew
Romeo und Julia – Ballettsuite

Denn niemals gab es ein so herbes Los, als Juliens und ihres Romeos. (Alle ab.)

In der Tat, ein herbes Los, und so manchem Zuschauer oder Hörer droht es das Herz zu zerreißen, wenn er das Ende von Romeo und Julia erlebt, sei es in Schauspiel, Oper, Ballett, Film oder Konzert. Und doch: Ist es nur das „Los”, das Shakespeares Liebende zum Tod verdammt anstatt sie zur Liebe zu beflügeln? Oder ist es nicht doch die Verbindung menschlicher Fehlleistung mit schrecklichem Zufall? Schicksal oder nicht: Kein Liebespaar hat die Künstler aller Sparten so inspiriert wie dieses. Sergej Prokofjew machte aus Shakespeares Drama ein Ballett, und es ist nicht unerheblich, dass er und sein Librettist Sergej Radlow daran dachten, das tragische zum glücklichen Ende umzuformen. Obwohl die Begründung durchaus einleuchtet – Lebende könnten tanzen, Tote nicht – sahen die beiden von dieser Eigenmächtigkeit dann doch ab. Ganz glücklich wurde der kurz zuvor in die Sowjetunion zurückgekehrte Komponist auch mit diesem Werk nicht – die russischen Auftraggeber zogen ihre Aufträge zurück, uraufgeführt wurde „Romeo und Julia” erst 1938 in Brünn. Auch Prokofjew war mit dem 1935 komponierten Ballett in die Fänge jener Formalismusdebatte geraten, die Schostakowitsch beinahe seine berufliche Existenz kostete.

Verglichen damit ist das Los Joseph Haydns ein leichtes gewesen. Nach guten, wenn auch geografisch etwas abgelegenen Jahren am Hof des Fürsten Esterházy und solidem Auskommen in Wien avancierte er als älterer Herr in London zum Star. Auch die Uraufführung seiner Sinfonie Nr. 96, der letzten einer eindrucksvollen Reihe „Londoner Sinfonien”, war ein umjubelter Erfolg, und selbst wenn dem Beinamen „The Miracle” ein Missverständnis zu Grunde liegt, grenzt Haydns berufliches Glück in der britischen Hauptstadt an ein Wunder. Er selbst wusste das sehr gut und rieb sich die Augen beim Erfolg auch dieses Werkes: „Im ersten Konzert von Herrn Salomon habe ich Furore mit einer neuen Symphonie gemacht, von der das Adagio wiederholt werden musste; dies ist in London noch nie passiert, stell Dir vor, was für ein Wirbel das war, so etwas aus einem englischen Munde zu hören“, schrieb er einer Bekannten.

Das Schicksal mancher Komponisten ist es, zu Vorläufern heutiger „One-hit-wonder“ geworden zu sein. So auch Max Bruch: Außer seinem Violinkonzert hat sich keins seiner Werke im aktiven Musikleben gehalten. Salopp möchte man sagen: Besser als nichts, auch wenn die Sache dem Komponisten gar nicht recht wahr: „Ich kann dieses Concert nicht mehr hören – habe ich vielleicht nur dieses eine Concert geschrieben?”, klagte er seinem Verleger. Das 1868 in endgültiger Gestalt uraufgeführte Werk hat Bruch für den Geiger Joseph Joachim komponiert, der uns bereits als verstimmter Brahms-Freund begegnet ist. Mit der eigentlich vorgesehenen Bezeichnung „Fantasie” (statt „Konzert”) hatte Bruch auf den Charakter des Werks einer musikalischen Erzählung gedeutet, der zur großen Popularität dieses zutiefst romantischen Werks beigetragen hat.

 

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