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Veranstaltungsdaten
// Rückschau

Die Große Reihe – Die Macht des Schicksals (4)

Johannes Brahms
Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102

Peter I. Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64

Whist. Unangenehme Episode mit Geld. Bin weggegangen. Trübsal und Ekel. Betrunken.

Ein Whisky und ein Kartenspiel – so sollen Peter Tschaikowskys Tage regelmäßig geendet haben. Dass es beim Kartenspiel auch einmal „unangenehm” zuging, ist in seinem Tagebuch überliefert. Wie der Skatbruder Richard Strauss setzte auch Tschaikowsky den Spielkarten ein musikalisches Denkmal – in der Oper „Pique Dame” kennt nur die alte Gräfin das Geheimnis der Glückskarten; verrät sie es, ist ihr Schicksal besiegelt: Tod. Wenige Jahre zuvor, bei der Komposition seiner fünften Sinfonie 1888, hatte Tschaikowsky schon einmal mit dem Schicksal „gespielt” – das musikalische Hauptthema, das dieses Werk mehr oder weniger herrisch durchzieht, assoziierte er mit dem Schicksal eines imaginären Helden, der sich, wie der Komponist meinte, dem „unergründlichen Ratschluss der Vorsehung” anfangs noch fügt, dann aufbegehrt und schließlich, so könnte man das Finale deuten, sein Schicksal selbst triumphierend in die Hand nimmt. Zufrieden war Tschaikowsky gerade mit diesem Finale nicht – womöglich war ihm der „Held” dieser Sinfonie zu glücklich geraten.

Nur ein Jahr vor Tschaikowskys Fünfter hatte Brahms sein Doppelkonzert komponiert. Im idyllischen Thun, seiner Schweizer Sommerfrische, machte der Komponist damit ein Versöhnungsangebot an den missgestimmten Freund Joseph Joachim. Jahre zuvor hatte Brahms sich im Scheidungsprozess des berühmten Geigers auf die Seite von dessen Frau geschlagen. Joachim verstand die von Brahms versteckten Freundschaftsgesten, zeigte sich generös, wirkte an der Uraufführung mit und verteidigte das Werk gegen übellaunige Kritiker. Freundschaftlich ist auch der Dialog der beiden Solo-Instrumente, und wie immer schreibt Brahms, der seine Kammermusik orchestral konzipierte, ein Orchesterwerk, das kammermusikalischen Feinsinn mit der großen sinfonischen Geste verbindet. Das Doppelkonzert ist ein auf liebenswerte Weise aus der Zeit gefallenes Werk, denn die Idee, zwei Solisten partnerschaftlich zusammenzubringen, war im 19. Jahrhundert vom Virtuosenkult verdrängt worden. Brahms nannte seine Absicht gegenüber Clara Schumann denn auch „drollig”, und diese scheint ein wenig die Nase gerümpft zu haben: Sie fand das Werk zwar „interessant, geistvoll”, vermisste jedoch den „frischen, warmen Zug”. Mit Verlaub, da hatte sie Unrecht.

 

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